2008-08-22

Strafverfahren gegen ehemalige jüdische PartisanInnen in Litauen

Die Rote Hilfe hat einen offenen Protestbrief an die litauische Regierung veröffentlicht, da in Litauen offenbar ehemalige jüdische PartisanInnen antisemitisch motivierten Ermittlungsverfahren ausgesetzt sind.

Der Brief sei an dieser Stelle dokumentiert:

Wir fordern die Einstellung der Ermittlungen gegen ehemalige jüdische Partisanen in Litauen

Seit Anfang dieses Jahres ermittelt die Staatsanwaltschaft in Litauen gegen ehemalige jüdische Partisaninnen und Partisanen, die während des Zweiten Weltkriegs gegen die deutsche Besatzungsmacht gekämpft haben. Die Behauptung der Staatsanwaltschaft, dass Hunderte Zeugen befragt wurden, täuscht über die Tatsache hinweg, dass ausschließlich jüdische Namen in den Medien auftauchen, vor allem die von Yitzhak Arad, Fania Brantsovsky und Rachel Margolis. Sie werden in Zusammenhang mit Partisanenaktionen genannt, bei denen litauische Zivilisten umgekommen sind und als deren Urheber die Justizbehörden Terroristen und Mörder ausgemacht haben. Dies legt die Vermutung nahe, dass die Ermittlungen darauf ausgerichtet sind, die öffentliche Meinung in Litauen dahingehend zu beeinflussen, dass primär Juden für die litauischen Opfer von Partisanenaktionen verantwortlich sind. Auf diese Weise soll die antisowjetische bzw. antirussische Stimmung in Litauen eine antijüdische Stoßrichtung erhalten.

Es sei daran erinnert, dass die jüdischen Anti-Nazi Partisanen zuvor Gefangene in den Ghettos waren, die von den deutschen Besatzern und ihren litauischen Kollaborateuren eingerichtet wurden; sie kämpften bewaffnet gegen die nationalsozialistische Herrschaft in autonomen jüdischen Gruppen oder sowjetischen Partisaneneinheiten und trugen damit zum Sieg der alliierten Streitkräfte gegen Nazi-Deutschland bei. Aktuell wird in den Massenmedien bewusst das negative Image jüdischer Partisanen konstruiert. Medien und Justiz bedienen sich dabei des gleichen Stereotyps, das in den Jahren der deutschen Besatzung der massenhaften Beteiligung von Litauern am Massenmord an der jüdischen Bevölkerung zugrunde lag: Juden werden mit Kommunismus, dem sowjetischen System und sowjetischen Partisanen identifiziert. Demgegenüber wird gegen die litauischen Kollaborateure der deutschen Besatzer, die für die Ermordung von 220.000 Juden in den Jahren 1941 bis 1944 mitverantwortlich sind, nicht ermittelt. In den 18 Jahren der Unabhängigkeit Litauens ist kein einziger Nazi-Kollaborateur belangt worden.

Die litauische Staatsanwaltschaft steht offenbar unter politischem Druck. So wurde Fania Brantsovsky aufgrund der Anfrage eines Abgeordneten der Vaterlands-Partei zur Ermittlungsbehörde vorgeladen. Die Tatsache, dass die vom Präsidenten der Republik Litauen gegründete “Internationale Kommission zur Ermittlung von Verbrechen des nationalsozialistischen und des sowjetischen Okkupationsregimes in Litauen” ihr eigenes Mitglied Yitzhak Arad und die anderen jüdischen Anti-Nazi-Partisanen nicht öffentlich verteidigte, ist äußerst befremdlich. Offensichtlich wird derzeit in Litauen in einer antisemitischen Stimmungsmache die Geschichte des Holocaust umgeschrieben und die ehemals Verfolgten werden als Täter verdächtigt.

Wir fordern, die Verfolgung ehemaliger jüdischer Partisanen sofort einzustellen! Die Europäische Kommission sollte ihren Entschluss, Vilnius, die Hauptstadt Litauens, zur Kulturhauptstadt 2009 zur erklären, überdenken. Einem Land, in dem antisemitische Stimmungsmache in Politik, Justiz und Medien derart breiten Raum einnehmen kann, steht eine solche Auszeichnung nicht zu.
 

2008-08-14

"Mügeln ist überall – Antifa"

So steht es an seit einiger Zeit an eine Dresdner Hauswand geschrieben. Obwohl den AutorInnen sicherlich nichts Böses unterstellt werden kann, so lädt das Graffiti doch zu suggestiven Überlegungen ein.
Ein Jahr nach der rassistischen Hetzjagd bemüht man sich in dem sächsischen Zonennest um Beruhigung und möchte am liebsten vergessen.
Das jährliche Stadtfest wird natürlich wieder stattfinden und der immer noch im Amt befindliche Bürgermeister Deuse lässt folgendes verlauten:

„Wir haben uns Gedanken gemacht, dass für Sicherheit gesorgt wird“, sagte Bürgermeister Gotthard Deuse (FDP) im Vorfeld. Konkrete Angaben wollte er nicht machen.
Er sei sich „sicher“, dass es ein friedliches Fest gebe.“
Dafür sind auch die damaligen Täter noch einmal ganz gut weggekommen. So wurde die Haftstrafe für einen der hauptsächlich beteiligten Schläger im Juli in eine Bewährungsstrafe umgewandelt. Vornehmlich wohl aus sozialen Gründen.

So wird aus dem Berufungsprozess die typische Loserkarriere ostdeutscher Racketangehöriger wiedergekäut:
„Frank D. erzählt mit tiefer, fester Stimme seinen Werdegang: Hauptschulabschluss, Bäckerlehre, Arbeit auf Montage, demnächst lässt er sich zum Lkw-Fahrer weiterbilden. Er hat eine Wohnung, ist nicht vorbestraft. „Mit der Geschichte finden sie keinen Job“, sagt er.“
Doch ist Mügeln überall? Und ist Mügeln überall Antifa?
Mügeln ist immerhin zum Synonym für die vornehmlich ostdeutsche rassistische Straßengewalt geworden, wie früher Rostock oder Hoyerswerda, wobei die Namen der Orte völlig austauschbar sind und die Symbolwerdung eher wohl vom medialen, aber sonst folgenlosen Interesse abhängt.

In Dresden bewältigt man dies anders, damit auch ja keiner sagen kann „Dresden“ wäre wie „Mügeln“, denn wo Mügeln ist auch überall „Antifa“, jedenfalls deren bürgerliche Variante die sich um das Ansehen „Sachsens“ sorgt.
Nach den Übergriffen auf Dönerläden nach dem EM-Halbfinale wurde nicht geleugnet und beschönigt, sondern öffentliche Personen bekannten und entschuldigen sich und forderten, wie so oft eine intensivere Auseinandersetzung mit dem „Rechtsextremismus“ in Sachsen.

Doch selbst die örtliche Polizei musste einige Tage nach den Ereignissen eingestehen und dringlich fordern, das sich, von den damals gut gefüllten Strassen, mehr Zeugen melden sollten und setzte danach eine Sonderkommission zur Ermittlung der Täter ein.
Der oberste Dienstherr der sächsischen Polizei, Innenminister Buttolo, wollte so was kaum glauben und hielt in der Landtagsdebatte zum Thema: „Weltoffenes und tolerantes Sachsen - Gegen Hass und Gewalt“
sein Händchen über die braven sächsischen Bürger:
„Gewalt und Ausländerhass sind in Sachsen weder Kultur noch mehrheitsfähig.“ Allerdings gelinge es „Chaoten“ immer wieder, den Ruf des Freistaates zu beschmutzen. Die übergroße Mehrzahl der Sachsen haben nicht einmal im Ansatz etwas mit Gewalt und Fremdenfeindlichkeit zu tun.“


Wie oft die „übergroße Mehrzahl der Sachsen“ mittlerweile zuschlägt zeigte sich die letzten Tage in Dresden: Offenbar nach einem rassistischen Angriff auf ein Mädchen, mit vietnamesischen Eltern, zündeten, so wird bislang vermutet, die Täter wenig später das Geschäft der Eltern im Dresdner Stadtteil Strießen an. Zuvor drohten sie noch die Familie „platt zu machen“. Das Geschäft der Familie ist damit komplett zerstört wurden.
In der gleichen Nacht überfielen vier jugendliche Täter einen Syrer und einen Libanesen und schlugen diese brutal zusammen.
Das Motiv der Täter ist laut Polizeimeldung unklar...

Dabei sind wir doch in Sachsen.

2008-07-31

Sprechen Sie Obama-Deutsch?

Es ist zwar ein wenig schon her, aber soll dennoch Erwähnung finden.
Hannes Stein hat für die „Welt“ in New York City ein paar Interviews zum Berlin-Besuch Barack Obamas geführt

Ein Anhänger der Republikanischen Partei hat folgendes schönes Zitat zu Protokoll gegeben:

„Obama in Berlin: ein Arschlochkandidat hat in einer Arschlochstadt geredet, und 200 000 Arschlöcher haben ihm zugehört. Das ist mein Kommentar.“
Was die Arschlochdeutschen anlässlich des Besuches zu sagen hatten wurde in folgendem Video festgehalten.

2008-07-09

Die böse Geschichte

Die Dresdner Gruppe „Black Monday“ hat einen sehr lesenswerten, weil gelungenen Text unter dem Titel „Die böse Geschichte“ veröffentlicht, der sich mit der innerlinken Nabelschau rund um den „13. Februar“ in Dresden beschätigt.
Dieser Text sei daher an dieser Stelle wärmstens empfohlen.

Die böse Geschichte

In der Sackgasse der Ideologiebildung.
Über einen Beitrag der Dresdner Zeitung „ctrl_f“ zur sogenannten 13. Februar-Diskussion.

„Wenn der Bürger schon zugibt, dass der Antisemit im Unrecht ist,
so will er wenigstens, dass auch das Opfer schuldig sei.“
Horkheimer, Adorno: Dialektik der Aufklärung

Die Diskussion zum 13. Februar in Dresden bleibt langweilig.
Nachdem die Dresdner Autonomenzeitung „ctrl_f“ in ihrer ersten Ausgabe ankündigte, sich diesem Thema anzunehmen, war es schon eine gewisse Überraschung, als unter dem Titel „Linke Wahrheiten? Einige herrschaftskritische Anmerkungen zur linken Debatte um den 13. Februar“ in der dritten, auf Juni datierten Ausgabe tatsächlich von Ralf ein Beitrag hierzu erschien.
In Anbetracht dessen, dass in dieser von allen Seiten so inbrünstig gewünschten „Diskussion“ sich bizarrerweise bisher niemand, weder die „Kritiker_innen“ noch der diesjährige Vorbereitungskreis noch irgendwer sonst, dazu hergab, auch nur ein definitives schriftliches Statement zu publizieren, gehört schon ein gewisser Mut dazu, die intellektuelle Verantwortung für das eigene Denken und die darin natürlich liegende Entblößung auf sich zu nehmen, was dem Autor unbedingt zugute zu halten ist.

Aber auch dem sind Grenzen gesetzt. Der „Schluss“ dieses Textes ist ganz der alte: eine Diskussion soll her, und den einzigen tatsächlichen Inhalt des Textes bilden – isolierte „Anmerkungen“, wie schon der Titel verspricht, einzelne „Kritikpunkte“ und „Fragen“, deren Beantwortung gefordert wird – eine Antwort, die der Autor selbstverständlich schuldig bleibt. Das allerdings hören wir nicht zum ersten Mal. Ralfs Beitrag steht nicht alleine; er drückt äußerst gut die Grauzone aus, in der sich ein gewisser Teil der Dresdner Antifa derzeit befindet: im Dilemma zwischen dem sich steigernden Unbehagen mit der bisherigen (eigenen) Position und der verdeckten oder offenen Ideologiebildung.
Weiterlesen via „Die böse Geschichte“

2008-07-06

Nie wieder Krieg! (gegen uns)

Wer weder Empörung, noch „Wut“ empfand, als vor der Fussball-EM eine polnische Zeitung den Nationalspieler „Ballack“ und seinen Trainer "Löw" geköpft zeigte, dürfte bei der gestrigen Meldung über die posthume Köpfung Hitlers, d.h. seines wachsenen Ebenbildes ebenfalls geschmunzelt haben.



Über die Hintergründe des letzten, aber erfolgreichen Hitlerattentats schreibt Hendryk M. Broder im Spiegel:

„Bezeichnend für die Verwirrung, für die der „Führer“ noch immer sorgt, ist der Kampfruf, mit dem sich der Berliner "Attentäter" auf die 200.000 Euro teure Wachsfigur stürzte: "Nie wieder Krieg!" Denn wären die Alliierten nicht in den Krieg gegen Nazi-Deutschland gezogen, würden die Erben der Firma Adolf & Söhne heute nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa beherrschen.
Ein Krieg kann sehr wohl die ultima ratio sein, wenn es darum geht, die Freiheit zu verteidigen oder wiederzugewinnen. Der Mann hätte "Nie wieder Diktatur!" rufen müssen, aber diese Parole ist im Antifa-Milieu bei weitem nicht so beliebt wie das wohlfeile „Nie wieder Krieg!
“
Weiterlesen via "Antifaschismus zum Nulltarif"

2008-06-05

Make HISTORY to STORY

„Das Problem, etwas zu malen, wird nicht dadurch gelöst, es möglichst naturalistisch oder abstrakt wiederzugeben, sondern das umzusetzen, was im Menschen das betreffende Gefühl erwecken kann. Kunst interpretiert Empfindungen und drückt sie aus!
Das Medium Kunst zu beherrschen, setzt deshalb voraus, daß das, was künstlerisch wiedergegeben werden soll, als Emotion begriffen wird. In der Konsequenz heißt Kunst, Dinge und Zusammenhänge von innen zu begreifen, sich in sie hineinzuversetzen. Das bedeutet, daß ein/e Künstler/in nur Dinge im Medium Kunst darstellen kann, die er/sie (zumindest bis zu einem bestimmten Grad) selber ist.
“
Ein Überbleibsel der früheren Autonomen Antifa (M) ist die Gruppe „Kunst und Kampf“ (KuK) bzw. deren Protagonist Bernd Langer. Dieser tourt durch die Bundesrepublik und hält Vorträge zum „revolutionären Antifaschismus“, oder bietet in Berlin alternative Stadtrundgänge zu Schauplätzen der Novemberrevolution an. Darüber hinaus ist wichtig zu betonen das sich „KuK“ als eine der wenigen politischen Organisationen aus der linksradikalen Bewegung versucht hat einen Begriff von „Kunst“ zu erarbeiten.

Obige Erklärung findet sich im Grundsatztext der KuK und die Werke Langers und der Gruppe sprechen genau diese Sprache wie im folgenden, am letzen Gemälde Langers zu kritisieren sein wird. Hierbei ist zunächst festzuhalten, das KuK, als Ideologieproduzentin, irgendwann stehen geblieben ist, noch bevor sich die Antifa (M) aufgelöst hat und der Ansatz des „revolutionären Antifaschismus“ in die Kritik gerat, zeigt sich doch das es sich um schlichten Antiimperialismus handelt, der sich im wesentlich an „historische“ Vorbilder, wie etwa die KPD etc der 20er/30er hält.

Tatsächlich produziert (in diesem Sinne) KuK nicht nur Antifa Plakate, sondern auch politische „Gemälde“, die teilweise reale Vorlagen haben oder für die es keine reale Vorlage gibt.

Ein weiteres Zitat:
„Kunst heißt Bewußtsein schaffen, Widersprüche entwickeln, Probleme aufzeigen, Lösungen provozieren. Kunst heißt, in individuelle und gesamtgesellschaftliche Prozesse eingreifen und immer wieder den Versuch der Klärung zu unternehmen, also Stellung zu beziehen. Nur diese Inhalte heben Kunst von billiger Propaganda ab. Propaganda und Produktwerbung unternehmen das Entgegengesetzte: Keine Widersprüche, keine Entwicklung von Bewußtsein, nur der Versuch, Tatsachen zu vertuschen, einfache Lösungen zu bieten, zum Kaufrausch abzurichten, zur Gedankenlosigkeit zu verführen.“
Kunst und Politik gehen nicht zusammen. Jedenfalls nicht im Sinne der KuK, heißt dies doch auch, das, was hier als „gesellschaftlicher Prozess“ bezeichnet wird, zu reduzieren, zu vereinfachen, kurz begreifbar und darstellbar zu machen.
Dabei greift gerade KuK auf Reduktionsmechanismen zurück und produziert objektiv Propaganda, die sie nicht machen wollen, und bewirbt ein Produkt welches „revolutionärer Antifaschismus“ heißt.

Besonders hässlich wird dieses Polit-Angebot natürlich dort, wo es praktisch wird, nämlich dann, wenn sich das Bedürfnis nach Vermittlung an der deutschen Geschichte abarbeitet.
Dabei verzichten die Propagandisten nicht einmal auf eine peinliche Absage an das Denken.

Deswegen sei noch ein weiteres Zitat vorangestellt:
„Die revolutionäre Aktion bezieht gesamtgesellschaftliche Kritik, Fragestellungen und Perspektiven mit ein, auch wenn sie sich im konkreten Fall nur auf einen Schwerpunkt bezieht. Nichts wäre törichter, als sich in Theorie zu verlieren und eine Politik zu verfolgen, die mit den Menschen und ihren Lebensbedingungen nichts zu tun hat und die von daher auch nicht verankert ist beziehungsweise um Verankerung und Verständlichkeit bemüht ist.“
Seit nunmehr 20 Jahren findet an der Gedenkstätte Buchenwald ein Antifa Camp statt, welches sich der Pflege der Anlage, aber vor allem der Auseinandersetzung mit den Nazis in der Region beschäftigt. Schaut man sich die Einlassungen der OrganisatorInnen hierzu an kann der Eindruck entstehen es handelt sich um eine Art linker Traditions- bzw. Friedhofspflege. Es gibt nicht nur ein ganz zackig-preussisches Ablauf-, sondern auch ein entsprechende ideologisches Begleitprogramm.

Jedenfalls hat Bernd Langer in diesem Jahr ein Gemälde produziert, welches als Vorlage für das Mobilisierungsplakat dient und in ganz bemerkenswerter Art und Weise Geschichtsrevisionismus der ganz anderen Art, aber im Sinne der KuK Ideologie, betreibt.

Grundlage des Gemäldes ist ein Foto welches eine Szene, kurz nach der Befreiung des Lagers durch die Häftlinge und die US Army darstellt.




Zu sehen ist ein Gruppe von Personen, die sich jedenfalls in der vorliegenden Qualität nur schwer unterscheiden lassen. Offensichtlich ist ein, an seiner gestreiften Hose, zu erkennender bewaffneter Häftling zu sehen, der umringt ist von Soldaten, wovon einer mutmaßlich der US Army angehört, da er bewaffnet ist, während die anderen Uniformierten unbewaffnet sind bzw. einer die Arme hinter dem Kopf hält, es sich also um Nazis handeln muss.

Leider hat Langer keine Erklärung zu diesem Bild abgegeben, aber seine Darstellung spricht für sich, denn er hat das Bild bewusst verändert, um wie wir uns erinnern „das umzusetzen, was im Menschen das betreffende Gefühl erwecken kann.“



Und so lügt das Gemälde an mehreren Stellen:
Beim Originalbild ist zu vermuten, dass die Aufnahme bei Tag entstand, jedenfalls ist es nicht dämmerig oder morgenrot, wie es das Gemälde suggeriert.
Obwohl die Personen auf dem Foto sich in Gestalt, Gesichtszügen und Ausdruck unterscheiden sehen sowohl die Nazis, als auch Häftling und US Soldat alle gleich aus und doch ist ihnen Emotion eingezeichnet.
Der Nazi rechts im Foto ist dabei nur im Profil zu sehen, wirkt jedoch dort sehr jung, geradezu knabenhaft. Langer hat ihn jedoch bereits zum Mann gezeichnet, wobei unklar ist was damit bezweckt werden soll.

Interessant ist vielleicht das Fotos je nach dem welcher Ausschnitt verwendet wird, andere Szenen darstellen können und einen andere Wahrnehmung hervorrufen (sollen).
Beispielsweise ist im Foto ist links ein weiterer Arm zu sehen, der auch einem Häftling gehören muss, da dieser die entsprechende Kleidung trägt. Im Gemälde ist dieser nicht zu sehen und es entsteht der Eindruck das der bewaffnete Häftling allein steht und die Anklage erhebt.

Das ist insofern eigenartig, weil so der Eindruck entsteht, dass erstens hier das Individuum in der politischen Auseinandersetzung im Vordergrund steht zweites jedoch damit verwischt wird das eben keine Individualität in den Lagern gab. Darüber hinaus entsteht so der Eindruck das die Nazis jederzeit in der Lage wären doch wieder die physische Oberhand zu gewinnen, obwohl im Originalkontext deren Situation so nicht gewesen sein kann.


Zudem wird der Häftling explizit zum politischen Gefangenen umgelogen, in dem Langer ihm einen roten Winkel auf die Hose zeichnet, der im Original nicht erkennbar ist.
Nicht nur das Langer bewusst ein Symbol verpasst, nein, ganz im Sinne des „revolutionären“ Kunstbegriffes kann es sich ausschließlich nur um einen Kommunisten handeln.
Wir erinnern uns:
„Das bedeutet, daß ein/e Künstler/in nur Dinge im Medium Kunst darstellen kann, die er/sie (zumindest bis zu einem bestimmten Grad) selber ist.“
Dabei ist bemerkenswert, das Kennzeichnungssystem der Nazis nicht vorsah den Winkel „irgendwo“ z.B. an der Hose zu tragen, sondern explizit auf der Brust.

Den Nazis malt Langer zudem stilisierte Hakenkreuze an das Revers, um eben im Gegensatz zum „roten Winkel“ klarzustellen wo die Fronten verlaufen. Dabei ist jedoch deutlich das dies im Foto nicht so ist, es eben offen bleibt wer sich tatsächlich dort gerade in welcher Situation befindet.


Ein weiteres interessantes Detail bildet die Darstellung des US-Soldaten.
Dieser hat, im Gegensatz zu den anderen Abgebildeten, kein Symbol welches ihn eindeutig kennzeichnet.
Nun ist bekannt das es die US- Army war die Buchenwald befreite und später die Weimarer Bürgerschaft mit ihren Verbrechen konfrontierte. Weil aber Langer Propaganda betreibt darf genau dies nicht erkennbar sein. Vielleicht hat es ja nicht nur mit billigem Antiamerikanismus zu tun, sondern eben auch mit dem Bedürfnis Politik zu machen die etwas mit den „Menschen“ und „Lebensbedingungen“ zu tun hat.
Beides gehört in Deutschland und deutschen Köpfen jedoch zusammen.

Soll heissen der GI darf als solcher nicht auftauchen, weil „Verständlichkeit für die Lebensbedingungen der Menschen“ zum Primat der Politik erklärt wird und deshalb verleugnet wird, wer den Schwur von Buchenwald heute tatsächlich noch ernst nimmt: nämlich die US Army und die Israel Defence Forces.

Passend hierzu findet sich auf der Seite des Antifa Camps folgende Passage, die all jene, die sich ab und zu in Theorie verlieren und eine Politik verfolgen, die mit den Menschen und ihren Lebensbedingungen nichts zu tun hat, von vornherein eine Absage erteilen soll.
„Das Antifa Camp definiert sich nicht über Nationen, nationale Symboliken und Nationalstaaten. Dieser Grundsatz ist nicht als Negierung des entsprechenden Passus im Schwur von Buchenwald („Wir danken den verbündeten Armeen,…“) zu verstehen, sondern verdeutlicht für uns vielmehr, dass diese Passage des Schwures von Buchenwald nur in ihrem konkreten historischen Kontext Gültigkeit hat. Eine Ausweitung auf heutige Zustände und Staaten ist für uns nicht akzeptabel.“



Das Plakat zum Antifa-Lager setzt dann noch eins drauf und lässt über der beschriebenen Szene eine antifaschistische Sonne aufgehen, aus der das Buchenwald Denkmal aufsteigt und sekundiert wird von dem Ausspruch „Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg“, sowie „Erinnern heisst handeln“.

Treffender lässt sich wohl kaum der deutsche Konsens und welche Konsequenzen man aus der deutschen Geschichte zu ziehen vermag, sowie, wie man sie „dargestellt“ wissen möchte, ausdrücken.

2008-04-30

Ein Herz für Kinder aus nationaler Verantwortung

Die Ortsgruppe der Jungsozialisten (von der SPD) ist stinkesauer, nachdem ihre kleine Protestaktion in Dresden gegen die Gebührenforderungen der Deutschen Bahn an den, sich selbst so nennenden „gemeinnützigen Verein deutscher Bürgerinitiativen“ Zug der Erinnerung e.V. von der Bundespolizei abrupt beendet wurde, denn die Bahn hat „Aus der Geschichte nicht gelernt“.

„Wie dreist kann man eigentlich sein? Die Deutsche Bahn lässt sich die Aufarbeitung ihrer Geschichte auch noch bezahlen. Dies ist nicht hinnehmbar, verantwortungslos und einfach unanständig!“
Und weiter:
„Das Engagement des Zug der Erinnerung e.V ist beeindruckend, die Haltung der Deutschen Bahn hingegen beschämend. Es kann doch nicht sein, dass ein Projekt, welches sich mit einem Teil der Geschichte der Deutschen Bahn beschäftigt, auch noch Streckennutzungs- sowie Standgebühren bezahlen muss. Ist der Bahn ihre historische Verantwortung gar nichts wert?“



Welchen Wert die "historische Verantwortung" für die Deutschen hat und was „anständig“ ist erläutert auch Oliver Reinhard, Lohnschreiber der Dresdner Opferdeutschen in seinem Artikel „Endstation Massenmord“ in der Sächsischen Zeitung vom 29. April:
„Manchmal schenkt die Geschichte in ihren tödlichsten Momenten Leben.“
Mal ganz abgesehen davon, das Geschichte gar nichts tut, was jetzt kommt kann sich der/die geneigte LeserIn vielleicht schon denken:
„Wie am 13. und 14. Februar 1945, als alliierte Bomben in Dresden Zehntausende (sic!) auslöschten. So bitter es klingt: Heinz- Joachim Aris verdankt dieser Katastrophe, dass es ihn überhaupt noch gibt. Der damals Elfjährige sollte mit seiner Familie in ein Vernichtungslager deportiert werden. „Doch der Zug der Reichsbahn Richtung Osten konnte die Stadt am 16. Februar nicht verlassen; die Bomben hatten auch die Gleise zerstört“, sagt Aris, der heute Vorsitzender im Sächsischen Landesverband der Jüdischen Gemeinde Deutschlands ist.
Diese Erkenntnis ist so banal, und für all jene bekannt die sich ein wenig kritischer mit dem Dresdner Opferdiskurs auseinandergesetzt haben als Reinhard, der nicht mal merkt das es keine „Jüdische Gemeinde Deutschlands“ gibt, sondern nur den Zentralrat der Juden in Deutschland. Das ist aber nicht besonders wichtig, wenn es darum geht ein bisschen „13. Februar“ Gesäusel dort einzustreuen, wo es mal nicht vorrangig um „Dresden“ geht.

Darüber hinaus unterfüttert er die Beschreibung der Spurensuche Dresdner Schülergruppen mit Halbwahrheiten. So weiß der Geschichtsstudent Thomas Weidlich zu berichten:
„Viele haben sich regelrecht in das Thema hineingestürzt. Auch wenn sie zunächst etwas enttäuscht darüber waren, dass heute kaum noch Informationen vorhanden sind – die Bomben haben 1945 das meiste Material vernichtet“.
Dabei wurde, im Rahmen der Spurensuche, festgestellt das die Zahl der deportierten Kinder aus Dresden nach oben korrigiert werden muss. (siehe hierzu die Veröffentlichung auf der Website der Ausstellung)

Dies jedoch mit bisher mangelnden Informationen aufgrund der Bombardierung zu begründen ist völlig vermessen. Die Geschichte der antisemitischen Verfolgung in Dresden war bislang höchstens Nischenthema in Dresden, weil das für die BekenntnisdresdnerInnen nie von Interesse war und es keine zusammenhängende Beschreibung über das nationalsozialistische Dresden gibt. Geschichte wurde erst ab 1945 erzählt.


Genau diesen „Ausdruck öffentliche Erinnerungskultur“, die die Dresdner Öffentlichkeit seit jeher zelebriert, meinte Kunst- und Wissenschaftsministerin Eva Stange, die sich im übrigen „sehr zufrieden“ zeigte, wahrscheinlich nicht, auch wenn es damit auf den Punkt gebracht wäre.

Vielmehr möchte man aus der deutschen Schuld, deutsche Verantwortung ableiten und schöpft entsprechend Potential für die nationale Identität. Besonders schön und deutsch formuliert hat das die Landtagsabgeordnete der „Linkfraktion“ Julia Bonk, die zu einer Podiumsdiskussion, natürlich über die „Erinnerungskultur“, anlässlich der Ausstellung formulierte:

“Die (...) Ausstellung erinnert anhand der Biographien von Kindern und Jugendlichen an Deportation und Vernichtung im Nationalsozialismus. Sie schafft so einen persönlichen Rahmen des Erinnerns, der die Tiefe der begangenen Verbrechen empfindbar (!) werden lässt und gleichzeitig die Frage nach gesellschaftlicher Verantwortung heute aufwirft.“
Natürlich hat man auch in Dresden ein Herz für Kinder, sind das doch diejenigen, die man auch als die unschuldigsten aller „Opfer“ der Bombennächte regelmäßig zitiert, um „Leid“ zu beschreiben, immerhin kann den HJ- Pimpfen kaum eine Mittäterschaft an den Verbrechen des Nationalsozialismus unterstellt werden.

Beim „Zug der Erinnerung“ verhält es sich ganz ähnlich und vermutlich wäre die Ausstellung kaum so erfolgreich, denn erst die unterstellte, kindliche Unschuld, lässt die nationalsozialistischen Verbrechen „empfindbar“ werden, denn es wird auf Emotion gesetzt oder wie Reinhard schreibt:
„Man sieht sie lachen, mit Gesichtern, in denen sich niemals die Geschichten eines langen Lebens haben einschreiben können. Es gibt keine Bilder, die die Unmenschlichkeit der nationalsozialistischen Politik schrecklicher vor Augen führen, ohne dass man deren Folgen selber sieht. (...) „Ich glaube, es war wichtig, dass wir uns nicht nur mit Büchern, sondern mit den Schicksalen der Kinder beschäftigt haben“, sagt Sara Taborek.“
Dieser Umgang mit der Vergangenheit, der Täter mit Opfern gleichmacht, weil „Leid“ zur Kategorie erhoben wird und sowohl für die PDS als auch für den Redakteur der Sächsischen Zeitung immer mit dem „Bekenntnis zur historischen Verantwortung“ (Reinhardt) endet und mit der daraus folgenden „gesellschaftlichen Verantwortung heute“ (Bonk) weitergeht, ist dabei völlig instrumentell.

Die Vernichtung der Juden wird dabei nur noch zum Background für die Erzählung menschelnder Schicksale, aber man spricht eben nicht über die gesellschaftlichen, spezifisch deutschen Bedingungen die zum Verlust jeglicher Individualität der Opfer und zum Massenmord in den Gaskammern führten. Dabei veranstaltet man die Auseinandersetzung mit dem Unbegreiflichen als nationale Freizeittätigkeit und kann sich mit dem Meckern gegen das Bahn Management, noch einige politische Vorschusslorbeeren im „Kampf gegen Rechts“ aus nationaler Verantwortung abholen.

Nicht ganz so schön formuliert, aber das Ganze noch mal auf den Punkt gebracht hat ein Besucher, als würde er ein Kind tadeln, nach einer kurzen Einführung durch einen Ausstellungsmitarbeiter, in breitem Sächsisch:
„Wolle`mer ma hoffen das des nee weedär bassierd.“