2008-07-09

Die böse Geschichte

Die Dresdner Gruppe „Black Monday“ hat einen sehr lesenswerten, weil gelungenen Text unter dem Titel „Die böse Geschichte“ veröffentlicht, der sich mit der innerlinken Nabelschau rund um den „13. Februar“ in Dresden beschätigt.
Dieser Text sei daher an dieser Stelle wärmstens empfohlen.

Die böse Geschichte

In der Sackgasse der Ideologiebildung.
Über einen Beitrag der Dresdner Zeitung „ctrl_f“ zur sogenannten 13. Februar-Diskussion.

„Wenn der Bürger schon zugibt, dass der Antisemit im Unrecht ist,
so will er wenigstens, dass auch das Opfer schuldig sei.“
Horkheimer, Adorno: Dialektik der Aufklärung

Die Diskussion zum 13. Februar in Dresden bleibt langweilig.
Nachdem die Dresdner Autonomenzeitung „ctrl_f“ in ihrer ersten Ausgabe ankündigte, sich diesem Thema anzunehmen, war es schon eine gewisse Überraschung, als unter dem Titel „Linke Wahrheiten? Einige herrschaftskritische Anmerkungen zur linken Debatte um den 13. Februar“ in der dritten, auf Juni datierten Ausgabe tatsächlich von Ralf ein Beitrag hierzu erschien.
In Anbetracht dessen, dass in dieser von allen Seiten so inbrünstig gewünschten „Diskussion“ sich bizarrerweise bisher niemand, weder die „Kritiker_innen“ noch der diesjährige Vorbereitungskreis noch irgendwer sonst, dazu hergab, auch nur ein definitives schriftliches Statement zu publizieren, gehört schon ein gewisser Mut dazu, die intellektuelle Verantwortung für das eigene Denken und die darin natürlich liegende Entblößung auf sich zu nehmen, was dem Autor unbedingt zugute zu halten ist.

Aber auch dem sind Grenzen gesetzt. Der „Schluss“ dieses Textes ist ganz der alte: eine Diskussion soll her, und den einzigen tatsächlichen Inhalt des Textes bilden – isolierte „Anmerkungen“, wie schon der Titel verspricht, einzelne „Kritikpunkte“ und „Fragen“, deren Beantwortung gefordert wird – eine Antwort, die der Autor selbstverständlich schuldig bleibt. Das allerdings hören wir nicht zum ersten Mal. Ralfs Beitrag steht nicht alleine; er drückt äußerst gut die Grauzone aus, in der sich ein gewisser Teil der Dresdner Antifa derzeit befindet: im Dilemma zwischen dem sich steigernden Unbehagen mit der bisherigen (eigenen) Position und der verdeckten oder offenen Ideologiebildung.
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2008-07-06

Nie wieder Krieg! (gegen uns)

Wer weder Empörung, noch „Wut“ empfand, als vor der Fussball-EM eine polnische Zeitung den Nationalspieler „Ballack“ und seinen Trainer "Löw" geköpft zeigte, dürfte bei der gestrigen Meldung über die posthume Köpfung Hitlers, d.h. seines wachsenen Ebenbildes ebenfalls geschmunzelt haben.



Über die Hintergründe des letzten, aber erfolgreichen Hitlerattentats schreibt Hendryk M. Broder im Spiegel:

„Bezeichnend für die Verwirrung, für die der „Führer“ noch immer sorgt, ist der Kampfruf, mit dem sich der Berliner "Attentäter" auf die 200.000 Euro teure Wachsfigur stürzte: "Nie wieder Krieg!" Denn wären die Alliierten nicht in den Krieg gegen Nazi-Deutschland gezogen, würden die Erben der Firma Adolf & Söhne heute nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa beherrschen.
Ein Krieg kann sehr wohl die ultima ratio sein, wenn es darum geht, die Freiheit zu verteidigen oder wiederzugewinnen. Der Mann hätte "Nie wieder Diktatur!" rufen müssen, aber diese Parole ist im Antifa-Milieu bei weitem nicht so beliebt wie das wohlfeile „Nie wieder Krieg!
“
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2008-06-05

Make HISTORY to STORY

„Das Problem, etwas zu malen, wird nicht dadurch gelöst, es möglichst naturalistisch oder abstrakt wiederzugeben, sondern das umzusetzen, was im Menschen das betreffende Gefühl erwecken kann. Kunst interpretiert Empfindungen und drückt sie aus!
Das Medium Kunst zu beherrschen, setzt deshalb voraus, daß das, was künstlerisch wiedergegeben werden soll, als Emotion begriffen wird. In der Konsequenz heißt Kunst, Dinge und Zusammenhänge von innen zu begreifen, sich in sie hineinzuversetzen. Das bedeutet, daß ein/e Künstler/in nur Dinge im Medium Kunst darstellen kann, die er/sie (zumindest bis zu einem bestimmten Grad) selber ist.
“
Ein Überbleibsel der früheren Autonomen Antifa (M) ist die Gruppe „Kunst und Kampf“ (KuK) bzw. deren Protagonist Bernd Langer. Dieser tourt durch die Bundesrepublik und hält Vorträge zum „revolutionären Antifaschismus“, oder bietet in Berlin alternative Stadtrundgänge zu Schauplätzen der Novemberrevolution an. Darüber hinaus ist wichtig zu betonen das sich „KuK“ als eine der wenigen politischen Organisationen aus der linksradikalen Bewegung versucht hat einen Begriff von „Kunst“ zu erarbeiten.

Obige Erklärung findet sich im Grundsatztext der KuK und die Werke Langers und der Gruppe sprechen genau diese Sprache wie im folgenden, am letzen Gemälde Langers zu kritisieren sein wird. Hierbei ist zunächst festzuhalten, das KuK, als Ideologieproduzentin, irgendwann stehen geblieben ist, noch bevor sich die Antifa (M) aufgelöst hat und der Ansatz des „revolutionären Antifaschismus“ in die Kritik gerat, zeigt sich doch das es sich um schlichten Antiimperialismus handelt, der sich im wesentlich an „historische“ Vorbilder, wie etwa die KPD etc der 20er/30er hält.

Tatsächlich produziert (in diesem Sinne) KuK nicht nur Antifa Plakate, sondern auch politische „Gemälde“, die teilweise reale Vorlagen haben oder für die es keine reale Vorlage gibt.

Ein weiteres Zitat:
„Kunst heißt Bewußtsein schaffen, Widersprüche entwickeln, Probleme aufzeigen, Lösungen provozieren. Kunst heißt, in individuelle und gesamtgesellschaftliche Prozesse eingreifen und immer wieder den Versuch der Klärung zu unternehmen, also Stellung zu beziehen. Nur diese Inhalte heben Kunst von billiger Propaganda ab. Propaganda und Produktwerbung unternehmen das Entgegengesetzte: Keine Widersprüche, keine Entwicklung von Bewußtsein, nur der Versuch, Tatsachen zu vertuschen, einfache Lösungen zu bieten, zum Kaufrausch abzurichten, zur Gedankenlosigkeit zu verführen.“
Kunst und Politik gehen nicht zusammen. Jedenfalls nicht im Sinne der KuK, heißt dies doch auch, das, was hier als „gesellschaftlicher Prozess“ bezeichnet wird, zu reduzieren, zu vereinfachen, kurz begreifbar und darstellbar zu machen.
Dabei greift gerade KuK auf Reduktionsmechanismen zurück und produziert objektiv Propaganda, die sie nicht machen wollen, und bewirbt ein Produkt welches „revolutionärer Antifaschismus“ heißt.

Besonders hässlich wird dieses Polit-Angebot natürlich dort, wo es praktisch wird, nämlich dann, wenn sich das Bedürfnis nach Vermittlung an der deutschen Geschichte abarbeitet.
Dabei verzichten die Propagandisten nicht einmal auf eine peinliche Absage an das Denken.

Deswegen sei noch ein weiteres Zitat vorangestellt:
„Die revolutionäre Aktion bezieht gesamtgesellschaftliche Kritik, Fragestellungen und Perspektiven mit ein, auch wenn sie sich im konkreten Fall nur auf einen Schwerpunkt bezieht. Nichts wäre törichter, als sich in Theorie zu verlieren und eine Politik zu verfolgen, die mit den Menschen und ihren Lebensbedingungen nichts zu tun hat und die von daher auch nicht verankert ist beziehungsweise um Verankerung und Verständlichkeit bemüht ist.“
Seit nunmehr 20 Jahren findet an der Gedenkstätte Buchenwald ein Antifa Camp statt, welches sich der Pflege der Anlage, aber vor allem der Auseinandersetzung mit den Nazis in der Region beschäftigt. Schaut man sich die Einlassungen der OrganisatorInnen hierzu an kann der Eindruck entstehen es handelt sich um eine Art linker Traditions- bzw. Friedhofspflege. Es gibt nicht nur ein ganz zackig-preussisches Ablauf-, sondern auch ein entsprechende ideologisches Begleitprogramm.

Jedenfalls hat Bernd Langer in diesem Jahr ein Gemälde produziert, welches als Vorlage für das Mobilisierungsplakat dient und in ganz bemerkenswerter Art und Weise Geschichtsrevisionismus der ganz anderen Art, aber im Sinne der KuK Ideologie, betreibt.

Grundlage des Gemäldes ist ein Foto welches eine Szene, kurz nach der Befreiung des Lagers durch die Häftlinge und die US Army darstellt.




Zu sehen ist ein Gruppe von Personen, die sich jedenfalls in der vorliegenden Qualität nur schwer unterscheiden lassen. Offensichtlich ist ein, an seiner gestreiften Hose, zu erkennender bewaffneter Häftling zu sehen, der umringt ist von Soldaten, wovon einer mutmaßlich der US Army angehört, da er bewaffnet ist, während die anderen Uniformierten unbewaffnet sind bzw. einer die Arme hinter dem Kopf hält, es sich also um Nazis handeln muss.

Leider hat Langer keine Erklärung zu diesem Bild abgegeben, aber seine Darstellung spricht für sich, denn er hat das Bild bewusst verändert, um wie wir uns erinnern „das umzusetzen, was im Menschen das betreffende Gefühl erwecken kann.“



Und so lügt das Gemälde an mehreren Stellen:
Beim Originalbild ist zu vermuten, dass die Aufnahme bei Tag entstand, jedenfalls ist es nicht dämmerig oder morgenrot, wie es das Gemälde suggeriert.
Obwohl die Personen auf dem Foto sich in Gestalt, Gesichtszügen und Ausdruck unterscheiden sehen sowohl die Nazis, als auch Häftling und US Soldat alle gleich aus und doch ist ihnen Emotion eingezeichnet.
Der Nazi rechts im Foto ist dabei nur im Profil zu sehen, wirkt jedoch dort sehr jung, geradezu knabenhaft. Langer hat ihn jedoch bereits zum Mann gezeichnet, wobei unklar ist was damit bezweckt werden soll.

Interessant ist vielleicht das Fotos je nach dem welcher Ausschnitt verwendet wird, andere Szenen darstellen können und einen andere Wahrnehmung hervorrufen (sollen).
Beispielsweise ist im Foto ist links ein weiterer Arm zu sehen, der auch einem Häftling gehören muss, da dieser die entsprechende Kleidung trägt. Im Gemälde ist dieser nicht zu sehen und es entsteht der Eindruck das der bewaffnete Häftling allein steht und die Anklage erhebt.

Das ist insofern eigenartig, weil so der Eindruck entsteht, dass erstens hier das Individuum in der politischen Auseinandersetzung im Vordergrund steht zweites jedoch damit verwischt wird das eben keine Individualität in den Lagern gab. Darüber hinaus entsteht so der Eindruck das die Nazis jederzeit in der Lage wären doch wieder die physische Oberhand zu gewinnen, obwohl im Originalkontext deren Situation so nicht gewesen sein kann.


Zudem wird der Häftling explizit zum politischen Gefangenen umgelogen, in dem Langer ihm einen roten Winkel auf die Hose zeichnet, der im Original nicht erkennbar ist.
Nicht nur das Langer bewusst ein Symbol verpasst, nein, ganz im Sinne des „revolutionären“ Kunstbegriffes kann es sich ausschließlich nur um einen Kommunisten handeln.
Wir erinnern uns:
„Das bedeutet, daß ein/e Künstler/in nur Dinge im Medium Kunst darstellen kann, die er/sie (zumindest bis zu einem bestimmten Grad) selber ist.“
Dabei ist bemerkenswert, das Kennzeichnungssystem der Nazis nicht vorsah den Winkel „irgendwo“ z.B. an der Hose zu tragen, sondern explizit auf der Brust.

Den Nazis malt Langer zudem stilisierte Hakenkreuze an das Revers, um eben im Gegensatz zum „roten Winkel“ klarzustellen wo die Fronten verlaufen. Dabei ist jedoch deutlich das dies im Foto nicht so ist, es eben offen bleibt wer sich tatsächlich dort gerade in welcher Situation befindet.


Ein weiteres interessantes Detail bildet die Darstellung des US-Soldaten.
Dieser hat, im Gegensatz zu den anderen Abgebildeten, kein Symbol welches ihn eindeutig kennzeichnet.
Nun ist bekannt das es die US- Army war die Buchenwald befreite und später die Weimarer Bürgerschaft mit ihren Verbrechen konfrontierte. Weil aber Langer Propaganda betreibt darf genau dies nicht erkennbar sein. Vielleicht hat es ja nicht nur mit billigem Antiamerikanismus zu tun, sondern eben auch mit dem Bedürfnis Politik zu machen die etwas mit den „Menschen“ und „Lebensbedingungen“ zu tun hat.
Beides gehört in Deutschland und deutschen Köpfen jedoch zusammen.

Soll heissen der GI darf als solcher nicht auftauchen, weil „Verständlichkeit für die Lebensbedingungen der Menschen“ zum Primat der Politik erklärt wird und deshalb verleugnet wird, wer den Schwur von Buchenwald heute tatsächlich noch ernst nimmt: nämlich die US Army und die Israel Defence Forces.

Passend hierzu findet sich auf der Seite des Antifa Camps folgende Passage, die all jene, die sich ab und zu in Theorie verlieren und eine Politik verfolgen, die mit den Menschen und ihren Lebensbedingungen nichts zu tun hat, von vornherein eine Absage erteilen soll.
„Das Antifa Camp definiert sich nicht über Nationen, nationale Symboliken und Nationalstaaten. Dieser Grundsatz ist nicht als Negierung des entsprechenden Passus im Schwur von Buchenwald („Wir danken den verbündeten Armeen,…“) zu verstehen, sondern verdeutlicht für uns vielmehr, dass diese Passage des Schwures von Buchenwald nur in ihrem konkreten historischen Kontext Gültigkeit hat. Eine Ausweitung auf heutige Zustände und Staaten ist für uns nicht akzeptabel.“



Das Plakat zum Antifa-Lager setzt dann noch eins drauf und lässt über der beschriebenen Szene eine antifaschistische Sonne aufgehen, aus der das Buchenwald Denkmal aufsteigt und sekundiert wird von dem Ausspruch „Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg“, sowie „Erinnern heisst handeln“.

Treffender lässt sich wohl kaum der deutsche Konsens und welche Konsequenzen man aus der deutschen Geschichte zu ziehen vermag, sowie, wie man sie „dargestellt“ wissen möchte, ausdrücken.

2008-04-30

Ein Herz für Kinder aus nationaler Verantwortung

Die Ortsgruppe der Jungsozialisten (von der SPD) ist stinkesauer, nachdem ihre kleine Protestaktion in Dresden gegen die Gebührenforderungen der Deutschen Bahn an den, sich selbst so nennenden „gemeinnützigen Verein deutscher Bürgerinitiativen“ Zug der Erinnerung e.V. von der Bundespolizei abrupt beendet wurde, denn die Bahn hat „Aus der Geschichte nicht gelernt“.

„Wie dreist kann man eigentlich sein? Die Deutsche Bahn lässt sich die Aufarbeitung ihrer Geschichte auch noch bezahlen. Dies ist nicht hinnehmbar, verantwortungslos und einfach unanständig!“
Und weiter:
„Das Engagement des Zug der Erinnerung e.V ist beeindruckend, die Haltung der Deutschen Bahn hingegen beschämend. Es kann doch nicht sein, dass ein Projekt, welches sich mit einem Teil der Geschichte der Deutschen Bahn beschäftigt, auch noch Streckennutzungs- sowie Standgebühren bezahlen muss. Ist der Bahn ihre historische Verantwortung gar nichts wert?“



Welchen Wert die "historische Verantwortung" für die Deutschen hat und was „anständig“ ist erläutert auch Oliver Reinhard, Lohnschreiber der Dresdner Opferdeutschen in seinem Artikel „Endstation Massenmord“ in der Sächsischen Zeitung vom 29. April:
„Manchmal schenkt die Geschichte in ihren tödlichsten Momenten Leben.“
Mal ganz abgesehen davon, das Geschichte gar nichts tut, was jetzt kommt kann sich der/die geneigte LeserIn vielleicht schon denken:
„Wie am 13. und 14. Februar 1945, als alliierte Bomben in Dresden Zehntausende (sic!) auslöschten. So bitter es klingt: Heinz- Joachim Aris verdankt dieser Katastrophe, dass es ihn überhaupt noch gibt. Der damals Elfjährige sollte mit seiner Familie in ein Vernichtungslager deportiert werden. „Doch der Zug der Reichsbahn Richtung Osten konnte die Stadt am 16. Februar nicht verlassen; die Bomben hatten auch die Gleise zerstört“, sagt Aris, der heute Vorsitzender im Sächsischen Landesverband der Jüdischen Gemeinde Deutschlands ist.
Diese Erkenntnis ist so banal, und für all jene bekannt die sich ein wenig kritischer mit dem Dresdner Opferdiskurs auseinandergesetzt haben als Reinhard, der nicht mal merkt das es keine „Jüdische Gemeinde Deutschlands“ gibt, sondern nur den Zentralrat der Juden in Deutschland. Das ist aber nicht besonders wichtig, wenn es darum geht ein bisschen „13. Februar“ Gesäusel dort einzustreuen, wo es mal nicht vorrangig um „Dresden“ geht.

Darüber hinaus unterfüttert er die Beschreibung der Spurensuche Dresdner Schülergruppen mit Halbwahrheiten. So weiß der Geschichtsstudent Thomas Weidlich zu berichten:
„Viele haben sich regelrecht in das Thema hineingestürzt. Auch wenn sie zunächst etwas enttäuscht darüber waren, dass heute kaum noch Informationen vorhanden sind – die Bomben haben 1945 das meiste Material vernichtet“.
Dabei wurde, im Rahmen der Spurensuche, festgestellt das die Zahl der deportierten Kinder aus Dresden nach oben korrigiert werden muss. (siehe hierzu die Veröffentlichung auf der Website der Ausstellung)

Dies jedoch mit bisher mangelnden Informationen aufgrund der Bombardierung zu begründen ist völlig vermessen. Die Geschichte der antisemitischen Verfolgung in Dresden war bislang höchstens Nischenthema in Dresden, weil das für die BekenntnisdresdnerInnen nie von Interesse war und es keine zusammenhängende Beschreibung über das nationalsozialistische Dresden gibt. Geschichte wurde erst ab 1945 erzählt.


Genau diesen „Ausdruck öffentliche Erinnerungskultur“, die die Dresdner Öffentlichkeit seit jeher zelebriert, meinte Kunst- und Wissenschaftsministerin Eva Stange, die sich im übrigen „sehr zufrieden“ zeigte, wahrscheinlich nicht, auch wenn es damit auf den Punkt gebracht wäre.

Vielmehr möchte man aus der deutschen Schuld, deutsche Verantwortung ableiten und schöpft entsprechend Potential für die nationale Identität. Besonders schön und deutsch formuliert hat das die Landtagsabgeordnete der „Linkfraktion“ Julia Bonk, die zu einer Podiumsdiskussion, natürlich über die „Erinnerungskultur“, anlässlich der Ausstellung formulierte:

“Die (...) Ausstellung erinnert anhand der Biographien von Kindern und Jugendlichen an Deportation und Vernichtung im Nationalsozialismus. Sie schafft so einen persönlichen Rahmen des Erinnerns, der die Tiefe der begangenen Verbrechen empfindbar (!) werden lässt und gleichzeitig die Frage nach gesellschaftlicher Verantwortung heute aufwirft.“
Natürlich hat man auch in Dresden ein Herz für Kinder, sind das doch diejenigen, die man auch als die unschuldigsten aller „Opfer“ der Bombennächte regelmäßig zitiert, um „Leid“ zu beschreiben, immerhin kann den HJ- Pimpfen kaum eine Mittäterschaft an den Verbrechen des Nationalsozialismus unterstellt werden.

Beim „Zug der Erinnerung“ verhält es sich ganz ähnlich und vermutlich wäre die Ausstellung kaum so erfolgreich, denn erst die unterstellte, kindliche Unschuld, lässt die nationalsozialistischen Verbrechen „empfindbar“ werden, denn es wird auf Emotion gesetzt oder wie Reinhard schreibt:
„Man sieht sie lachen, mit Gesichtern, in denen sich niemals die Geschichten eines langen Lebens haben einschreiben können. Es gibt keine Bilder, die die Unmenschlichkeit der nationalsozialistischen Politik schrecklicher vor Augen führen, ohne dass man deren Folgen selber sieht. (...) „Ich glaube, es war wichtig, dass wir uns nicht nur mit Büchern, sondern mit den Schicksalen der Kinder beschäftigt haben“, sagt Sara Taborek.“
Dieser Umgang mit der Vergangenheit, der Täter mit Opfern gleichmacht, weil „Leid“ zur Kategorie erhoben wird und sowohl für die PDS als auch für den Redakteur der Sächsischen Zeitung immer mit dem „Bekenntnis zur historischen Verantwortung“ (Reinhardt) endet und mit der daraus folgenden „gesellschaftlichen Verantwortung heute“ (Bonk) weitergeht, ist dabei völlig instrumentell.

Die Vernichtung der Juden wird dabei nur noch zum Background für die Erzählung menschelnder Schicksale, aber man spricht eben nicht über die gesellschaftlichen, spezifisch deutschen Bedingungen die zum Verlust jeglicher Individualität der Opfer und zum Massenmord in den Gaskammern führten. Dabei veranstaltet man die Auseinandersetzung mit dem Unbegreiflichen als nationale Freizeittätigkeit und kann sich mit dem Meckern gegen das Bahn Management, noch einige politische Vorschusslorbeeren im „Kampf gegen Rechts“ aus nationaler Verantwortung abholen.

Nicht ganz so schön formuliert, aber das Ganze noch mal auf den Punkt gebracht hat ein Besucher, als würde er ein Kind tadeln, nach einer kurzen Einführung durch einen Ausstellungsmitarbeiter, in breitem Sächsisch:
„Wolle`mer ma hoffen das des nee weedär bassierd.“

2008-04-05

Interventionen - Zur Kritik des Antisemitismus und Rassismus

Eine lesenswerte Broschüre „Zur Kritik des Antisemitismus und Rassismus“ ist vom Conne Island herausgegeben wurden. Die Sammlung enthält grundlegende kritische Texte zur Auseinandersetzung mit dem modernen Antisemitismus, dem historischen Antijudaismus, sowie dem Rassismus. Weiterhin wird der Text „Antiamerikanismus ist kein Antikapitalismus“ des AFBL, sowie Mathhias Küntzels „Islamismus, Faschismus und NS“ dokumentiert. Abgerundet wird die Broschüre durch eine Rezension des Filmes „Shoah“ und das Flugblatt: „Ist die kalt, oder hast du was gegen Juden“ der gruppe liberte tourjours.

Interventionen – Broschüre zur Kritik des Antisemitismus und Rassismus

2008-03-26

„Rebeccas“ Entnazifizierung

Ein Leser der Onlineausgabe der "Jungen Freiheit" glaubt an eine Inszenierung des Skandals in der TV Show "Big Brother" und wähnt eine Verschwörung derer, denen „es nur darum“ (geht) „der Allgemeinheit vorzuführen, wie man Leute medienwirksam ächtet, wenn man auch nur den geringsten Anschein erweckt, ein Wort mit Bezug auf die NS-Zeit zu erwähnen.“
So sehr der Bauchredner der ewig „Verfolgten“ hier eine Verschwörung gegen die Deutschen in ihrer Gesamtheit vermutet, so falsch liegt er natürlich. Immerhin muss er sich die Gesellschaft als großes Big Brother Haus vorstellen, in der „Hintermänner“ und „Drahtzieher“ das Geschehen bestimmen und dann auch noch wegen eines gänzlich unverkrampften „Sieg Heils“ die Kollektivstrafe exekutieren.
Dabei führte RTL 2 nur sehr schön vor, wie „Erinnerungskultur“ und „Auseinandersetzung mit der Geschichte“ auf deutsch gesprochen wird.

Der Plot ist banal. Die Hausbewohnerin „Rebecca“ ruft an einem der unzähligen ätzend langweiligen Abende im Big Brother Haus „Sieg Heil“ in die WG Küche und fliegt dafür, völlig zu Recht, kurz danach aus der Sendung.
Doch statt es dabei zu belassen lädt der Sender in der folgenden Woche den Auschwitz Überlebenden Werner Bab und den Geschichtsdidakt und Medienwissenschaftler Siegfried Quandt ins Studio um „Rebecca“ und der TV Gemeinde eine Lehrstunde in deutscher Geschichte zu verpassen.
Beide wurden bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Bab für sein Engagement für „Toleranz, Demokratie und Völkerverständigung“, Quandt für seine Arbeit in „Wissenschaft, Medien und Wirtschaft“, aber im besonderen für sein „Engagement in der Journalistenausbildung“. Der eine erzählt, während der andere über „ihn“ schreibt.
Werner Bab überlebte Auschwitz und Mauthausen und, so wird kolportiert, kehrte er dennoch 1958 nach Deutschland zurück, fühlte er sich doch als „Deutscher“.

Quandt gehört zu dem Kreis der Geschichtenerzähler die, die Zeitgeschichte den Deutschen TV-gerecht nahe bringen. Unter anderem arbeitet Quandt als Berater für zeitgeschichtliche Sendungen für das ZDF und verantwortet damit, in seiner Zusammenarbeit mit Guido Knopp eine Reihe von dessen Sendungen über Hitlers „Helfer“, „Krieger“ und „Kinder“.

Ganz im Sinne Knopps und Quandts gestaltete RTL 2 den Abend als zeitgeschichtliches Infotainment gegen das Vergessen. Auch wenn es so nicht gemeint war, immerhin gibt „Rebecca“, stellvertretend für ihre Fans, die sich ihre Rückkehr ins Big Brother Haus wünschen, zu von all dem, gemeint sind die Verbrechen der Deutschen, „nichts gewusst zu haben“.
So ehrenwert die Bemühungen erscheinen karikieren sie doch die Auseinandersetzung. Ort des folgenden Gespräches ist das Holocaust Mahnmal in Berlin. „Rebecca“ schiebt Werner Bab durch die Ausstellung "Topographie des Terrors", er zeigt ihr seine Häftlingstätowierung und spricht von den erlebten Schrecken, wofür sie sich „herzlich“ bei ihm bedankt.



Link: sevenload.com

Man erzählt die individuelle Geschichte, gerade da wo es um den Verlust von Individualität geht.
Die Geschichte der deutschen Verbrechen wird in leicht konsumierbare Bilder verwandelt, die keinen Gedanken mehr einfordern, sondern Emotionen auslösen sollen. Die reale Geschichte dient nur noch als Background für die Erzählung menschlicher und menschelnder Schicksale, aus denen „Rebecca“ lernen soll das „Sieg Heil“ rufen total uncool ist.
Wenn Auschwitz, wir hier, jedoch als Schicksal, als Naturkatastrophe darstellt wird, verstellt sich der Blick auf die reale Hölle und vermeidet die Beschäftigung mit den Tätern, von denen in der Sendung tatsächlich auch nicht gesprochen wird.

Stattdessen beruft man sich auf die Lehren aus Auschwitz, für die Deutschen, und so empfiehlt der Big Brother Psychologe bei „leichtfertigen Äußerungen über die NS-Zeit zur Not auch mal zu gehen“ oder „den Mund auf zu machen“, schließlich geht es doch um eine „friedvollere Zukunft“.
Bleibt noch zu ergänzen, das die Sendung wenig Interesse in der Zielgruppe der 14- 49 Jährigen fand und die Einschaltquote gegenüber den Vorwochen um ca. 2% nach unten ging.

2008-03-21

From Dresden to Bagdad

Ein herzliches „Thank You!“ richtet folgendes Video an die SoldatInnen der US Army, dem sich voll und ganz anzuschließen ist, immerhin widmet sich die deutsche Medienlandschaft, anlässlich des fünften Jahrestages der Irak Intervention ganz der pazifistischen und antiamerikanischen Propaganda.



Fünf Jahre nach Beginn der Operation Iraqi Freedom, in deren Folge das baathistische Regime und dessen Führungsclique um Saddam Hussein gestürzt wurde, ist man sich in den deutschen Redaktionsstuben einig. Der Spiegel nennt sein Feature hierzu z.B. „Das Irak Fiasko“.
Die, sprachlich wie auch inhaltlich ganz nah am Bauchgefühl der deutschen Friedensvolksgemeinschaft befindliche, „Junge Welt“ hält unter der Überschrift: „Krieg bis zum Sieg“, fest das es den Irakis unter Saddam Hussein doch eigentlich ganz gut ging, jedenfalls „besser“ als heute.

Unisono wird George W. Bush der Lüge und des Größenwahns geziehen, während man lieber hämisch über die Rückschläge nach dem Sturz Husseins oder über angebliche Repressalien gegen die „tausenden Friedensaktivisten“ in den USA schreibt.

Jedenfalls wiederholen sich die Phrasen die man seit fünf Jahren tag ein, tag aus auswendig gelernt hat. Die us-amerikanische Intervention war auf freche „Lügen“ aufgebaut, um den Weg für die „Öl-Multis“ freizumachen, die auch noch in kolonialistischer Weise der islamischen Welt eine ihr fremde Kultur aufzwingen wollen.

Umso mehr dient die Häme gegen die aktuelle Lage im Irak und über Bushs „Illusionen“ der Kompensation der Trauer darüber das es Saddam letztlich doch erwischt hat, wie weiland die Deutschen im Bombenhagel von Dresden. Darüber hinaus bedauert man das der Einmarsch in Bagdad nicht im Blutbad für die US Army endete, welches der „irakische Widerstand“ islamischer Terrorbanden erst in den Jahren danach hundertfach anrichtete, um den Aufbau einer neuen Gesellschaft zu torpedieren.

Daran ergötzt man sich in Deutschland von NPD bis Linkspartei, von der Jungen Freiheit bis zur Jungen Welt immer noch all zu gern, ist doch jede Selbstmordbombe auf Bagdads Strassen der Beweis für die „unrechtmäßige Besatzung“ und die „Unrechtmäßigkeit“ des Krieges.
Immerhin nimmt man für sich in Anspruch ebenfalls unter dem „Bombenterror“ der USA gelitten zu haben und deswegen gegen jegliche militärische Intervention, auch gegen die schlimmsten Diktatoren wie Hussein einer war, Stellung zu beziehen.

Wie sehr sich die deutsche Erfahrung der Niederlage der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft im Bewusstsein niedergeschlagen hat zeigt sich besonders am bedeutendsten Symbol des deutschen Pazifismus, nämlich Dresden. Wenn Mitleid mit der Bevölkerung Bagdads erklärt wird, meint man Dresden und sich selbst. Wenn wider jede Vernunft den Amerikanern unterstellt wird, sie würden Kabul vernichten, Bagdad niederbrennen, Völkermord anrichten, dann redet man von deutschen Bombennächten.
So formulierte etwa Volker Braun in seiner Festrede zum 800-jährigen Stadtjubiläum unter der sinnigen Überschrift „Die dresdner Denkart“:

"Im Frühjahr 2003 flogen die US-Bomber direkt über Dresden, man sah (es war traumhaft schönes Wetter) die Kondensstreifen in Formation am Himmel und wußte, auch wenn kein Geräusch zu hören war, auch kein Geräusch in den Medien: in fünf oder sechs Stunden, in der Nacht, werden sie über Bagdad sein – wenig entfernt, nicht weit von Dresden, nein, von Dresden nicht weit fallen die Bomben auf Bagdad."
In diesem Sinne führen alljährlich die rechten Friedensfreunde bei ihren Aufmärschen zum 13. Februar zahlreiche Transparente mit die, die Linie von Dresden nach Bagdad ziehen. Das hat ebenfalls die Stadt Dresden im Jahr 2005 geschafft, in dem sie Dresden 1945 mit Bagdad in eine Reihe stellte. Gemäß dem deutschen Gemüt sind es die gleichen skrupellosen Urheber der Bombardierung Bagdads wie die, die Zerstörung des nationalsozialistischen Dresdens zu verantworten haben.

Darum spricht man in Deutschland auch nur all zu ungern über die tatsächlichen Erfolge im Nachkriegsirak, denn nichts mehr wünscht man sich in als das die USA den Krieg verlieren mögen. Immerhin würde dies als gerechte Strafe für die Niederschlagung des Nationalsozialismus bewertet werden.

Special Link: President Bush Discusses Global War on Terror