2008-04-30

Ein Herz für Kinder aus nationaler Verantwortung

Die Ortsgruppe der Jungsozialisten (von der SPD) ist stinkesauer, nachdem ihre kleine Protestaktion in Dresden gegen die Gebührenforderungen der Deutschen Bahn an den, sich selbst so nennenden „gemeinnützigen Verein deutscher Bürgerinitiativen“ Zug der Erinnerung e.V. von der Bundespolizei abrupt beendet wurde, denn die Bahn hat „Aus der Geschichte nicht gelernt“.

„Wie dreist kann man eigentlich sein? Die Deutsche Bahn lässt sich die Aufarbeitung ihrer Geschichte auch noch bezahlen. Dies ist nicht hinnehmbar, verantwortungslos und einfach unanständig!“
Und weiter:
„Das Engagement des Zug der Erinnerung e.V ist beeindruckend, die Haltung der Deutschen Bahn hingegen beschämend. Es kann doch nicht sein, dass ein Projekt, welches sich mit einem Teil der Geschichte der Deutschen Bahn beschäftigt, auch noch Streckennutzungs- sowie Standgebühren bezahlen muss. Ist der Bahn ihre historische Verantwortung gar nichts wert?“



Welchen Wert die "historische Verantwortung" für die Deutschen hat und was „anständig“ ist erläutert auch Oliver Reinhard, Lohnschreiber der Dresdner Opferdeutschen in seinem Artikel „Endstation Massenmord“ in der Sächsischen Zeitung vom 29. April:
„Manchmal schenkt die Geschichte in ihren tödlichsten Momenten Leben.“
Mal ganz abgesehen davon, das Geschichte gar nichts tut, was jetzt kommt kann sich der/die geneigte LeserIn vielleicht schon denken:
„Wie am 13. und 14. Februar 1945, als alliierte Bomben in Dresden Zehntausende (sic!) auslöschten. So bitter es klingt: Heinz- Joachim Aris verdankt dieser Katastrophe, dass es ihn überhaupt noch gibt. Der damals Elfjährige sollte mit seiner Familie in ein Vernichtungslager deportiert werden. „Doch der Zug der Reichsbahn Richtung Osten konnte die Stadt am 16. Februar nicht verlassen; die Bomben hatten auch die Gleise zerstört“, sagt Aris, der heute Vorsitzender im Sächsischen Landesverband der Jüdischen Gemeinde Deutschlands ist.
Diese Erkenntnis ist so banal, und für all jene bekannt die sich ein wenig kritischer mit dem Dresdner Opferdiskurs auseinandergesetzt haben als Reinhard, der nicht mal merkt das es keine „Jüdische Gemeinde Deutschlands“ gibt, sondern nur den Zentralrat der Juden in Deutschland. Das ist aber nicht besonders wichtig, wenn es darum geht ein bisschen „13. Februar“ Gesäusel dort einzustreuen, wo es mal nicht vorrangig um „Dresden“ geht.

Darüber hinaus unterfüttert er die Beschreibung der Spurensuche Dresdner Schülergruppen mit Halbwahrheiten. So weiß der Geschichtsstudent Thomas Weidlich zu berichten:
„Viele haben sich regelrecht in das Thema hineingestürzt. Auch wenn sie zunächst etwas enttäuscht darüber waren, dass heute kaum noch Informationen vorhanden sind – die Bomben haben 1945 das meiste Material vernichtet“.
Dabei wurde, im Rahmen der Spurensuche, festgestellt das die Zahl der deportierten Kinder aus Dresden nach oben korrigiert werden muss. (siehe hierzu die Veröffentlichung auf der Website der Ausstellung)

Dies jedoch mit bisher mangelnden Informationen aufgrund der Bombardierung zu begründen ist völlig vermessen. Die Geschichte der antisemitischen Verfolgung in Dresden war bislang höchstens Nischenthema in Dresden, weil das für die BekenntnisdresdnerInnen nie von Interesse war und es keine zusammenhängende Beschreibung über das nationalsozialistische Dresden gibt. Geschichte wurde erst ab 1945 erzählt.


Genau diesen „Ausdruck öffentliche Erinnerungskultur“, die die Dresdner Öffentlichkeit seit jeher zelebriert, meinte Kunst- und Wissenschaftsministerin Eva Stange, die sich im übrigen „sehr zufrieden“ zeigte, wahrscheinlich nicht, auch wenn es damit auf den Punkt gebracht wäre.

Vielmehr möchte man aus der deutschen Schuld, deutsche Verantwortung ableiten und schöpft entsprechend Potential für die nationale Identität. Besonders schön und deutsch formuliert hat das die Landtagsabgeordnete der „Linkfraktion“ Julia Bonk, die zu einer Podiumsdiskussion, natürlich über die „Erinnerungskultur“, anlässlich der Ausstellung formulierte:

“Die (...) Ausstellung erinnert anhand der Biographien von Kindern und Jugendlichen an Deportation und Vernichtung im Nationalsozialismus. Sie schafft so einen persönlichen Rahmen des Erinnerns, der die Tiefe der begangenen Verbrechen empfindbar (!) werden lässt und gleichzeitig die Frage nach gesellschaftlicher Verantwortung heute aufwirft.“
Natürlich hat man auch in Dresden ein Herz für Kinder, sind das doch diejenigen, die man auch als die unschuldigsten aller „Opfer“ der Bombennächte regelmäßig zitiert, um „Leid“ zu beschreiben, immerhin kann den HJ- Pimpfen kaum eine Mittäterschaft an den Verbrechen des Nationalsozialismus unterstellt werden.

Beim „Zug der Erinnerung“ verhält es sich ganz ähnlich und vermutlich wäre die Ausstellung kaum so erfolgreich, denn erst die unterstellte, kindliche Unschuld, lässt die nationalsozialistischen Verbrechen „empfindbar“ werden, denn es wird auf Emotion gesetzt oder wie Reinhard schreibt:
„Man sieht sie lachen, mit Gesichtern, in denen sich niemals die Geschichten eines langen Lebens haben einschreiben können. Es gibt keine Bilder, die die Unmenschlichkeit der nationalsozialistischen Politik schrecklicher vor Augen führen, ohne dass man deren Folgen selber sieht. (...) „Ich glaube, es war wichtig, dass wir uns nicht nur mit Büchern, sondern mit den Schicksalen der Kinder beschäftigt haben“, sagt Sara Taborek.“
Dieser Umgang mit der Vergangenheit, der Täter mit Opfern gleichmacht, weil „Leid“ zur Kategorie erhoben wird und sowohl für die PDS als auch für den Redakteur der Sächsischen Zeitung immer mit dem „Bekenntnis zur historischen Verantwortung“ (Reinhardt) endet und mit der daraus folgenden „gesellschaftlichen Verantwortung heute“ (Bonk) weitergeht, ist dabei völlig instrumentell.

Die Vernichtung der Juden wird dabei nur noch zum Background für die Erzählung menschelnder Schicksale, aber man spricht eben nicht über die gesellschaftlichen, spezifisch deutschen Bedingungen die zum Verlust jeglicher Individualität der Opfer und zum Massenmord in den Gaskammern führten. Dabei veranstaltet man die Auseinandersetzung mit dem Unbegreiflichen als nationale Freizeittätigkeit und kann sich mit dem Meckern gegen das Bahn Management, noch einige politische Vorschusslorbeeren im „Kampf gegen Rechts“ aus nationaler Verantwortung abholen.

Nicht ganz so schön formuliert, aber das Ganze noch mal auf den Punkt gebracht hat ein Besucher, als würde er ein Kind tadeln, nach einer kurzen Einführung durch einen Ausstellungsmitarbeiter, in breitem Sächsisch:
„Wolle`mer ma hoffen das des nee weedär bassierd.“

2008-04-05

Interventionen - Zur Kritik des Antisemitismus und Rassismus

Eine lesenswerte Broschüre „Zur Kritik des Antisemitismus und Rassismus“ ist vom Conne Island herausgegeben wurden. Die Sammlung enthält grundlegende kritische Texte zur Auseinandersetzung mit dem modernen Antisemitismus, dem historischen Antijudaismus, sowie dem Rassismus. Weiterhin wird der Text „Antiamerikanismus ist kein Antikapitalismus“ des AFBL, sowie Mathhias Küntzels „Islamismus, Faschismus und NS“ dokumentiert. Abgerundet wird die Broschüre durch eine Rezension des Filmes „Shoah“ und das Flugblatt: „Ist die kalt, oder hast du was gegen Juden“ der gruppe liberte tourjours.

Interventionen – Broschüre zur Kritik des Antisemitismus und Rassismus

2008-03-26

„Rebeccas“ Entnazifizierung

Ein Leser der Onlineausgabe der "Jungen Freiheit" glaubt an eine Inszenierung des Skandals in der TV Show "Big Brother" und wähnt eine Verschwörung derer, denen „es nur darum“ (geht) „der Allgemeinheit vorzuführen, wie man Leute medienwirksam ächtet, wenn man auch nur den geringsten Anschein erweckt, ein Wort mit Bezug auf die NS-Zeit zu erwähnen.
So sehr der Bauchredner der ewig „Verfolgten“ hier eine Verschwörung gegen die Deutschen in ihrer Gesamtheit vermutet, so falsch liegt er natürlich. Immerhin muss er sich die Gesellschaft als großes Big Brother Haus vorstellen, in der „Hintermänner“ und „Drahtzieher“ das Geschehen bestimmen und dann auch noch wegen eines gänzlich unverkrampften „Sieg Heils“ die Kollektivstrafe exekutieren.
Dabei führte RTL 2 nur sehr schön vor, wie „Erinnerungskultur“ und „Auseinandersetzung mit der Geschichte“ auf deutsch gesprochen wird.

Der Plot ist banal. Die Hausbewohnerin „Rebecca“ ruft an einem der unzähligen ätzend langweiligen Abende im Big Brother Haus „Sieg Heil“ in die WG Küche und fliegt dafür, völlig zu Recht, kurz danach aus der Sendung.
Doch statt es dabei zu belassen lädt der Sender in der folgenden Woche den Auschwitz Überlebenden Werner Bab und den Geschichtsdidakt und Medienwissenschaftler Siegfried Quandt ins Studio um „Rebecca“ und der TV Gemeinde eine Lehrstunde in deutscher Geschichte zu verpassen.
Beide wurden bereits mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Bab für sein Engagement für „Toleranz, Demokratie und Völkerverständigung“, Quandt für seine Arbeit in „Wissenschaft, Medien und Wirtschaft“, aber im besonderen für sein „Engagement in der Journalistenausbildung“. Der eine erzählt, während der andere über „ihn“ schreibt.
Werner Bab überlebte Auschwitz und Mauthausen und, so wird kolportiert, kehrte er dennoch 1958 nach Deutschland zurück, fühlte er sich doch als „Deutscher“.

Quandt gehört zu dem Kreis der Geschichtenerzähler die, die Zeitgeschichte den Deutschen TV-gerecht nahe bringen. Unter anderem arbeitet Quandt als Berater für zeitgeschichtliche Sendungen für das ZDF und verantwortet damit, in seiner Zusammenarbeit mit Guido Knopp eine Reihe von dessen Sendungen über Hitlers „Helfer“, „Krieger“ und „Kinder“.

Ganz im Sinne Knopps und Quandts gestaltete RTL 2 den Abend als zeitgeschichtliches Infotainment gegen das Vergessen. Auch wenn es so nicht gemeint war, immerhin gibt „Rebecca“, stellvertretend für ihre Fans, die sich ihre Rückkehr ins Big Brother Haus wünschen, zu von all dem, gemeint sind die Verbrechen der Deutschen, „nichts gewusst zu haben“.
So ehrenwert die Bemühungen erscheinen karikieren sie doch die Auseinandersetzung. Ort des folgenden Gespräches ist das Holocaust Mahnmal in Berlin. „Rebecca“ schiebt Werner Bab durch die Ausstellung "Topographie des Terrors", er zeigt ihr seine Häftlingstätowierung und spricht von den erlebten Schrecken, wofür sie sich „herzlich“ bei ihm bedankt.



Link: sevenload.com

Man erzählt die individuelle Geschichte, gerade da wo es um den Verlust von Individualität geht.
Die Geschichte der deutschen Verbrechen wird in leicht konsumierbare Bilder verwandelt, die keinen Gedanken mehr einfordern, sondern Emotionen auslösen sollen. Die reale Geschichte dient nur noch als Background für die Erzählung menschlicher und menschelnder Schicksale, aus denen „Rebecca“ lernen soll das „Sieg Heil“ rufen total uncool ist.
Wenn Auschwitz, wir hier, jedoch als Schicksal, als Naturkatastrophe darstellt wird, verstellt sich der Blick auf die reale Hölle und vermeidet die Beschäftigung mit den Tätern, von denen in der Sendung tatsächlich auch nicht gesprochen wird.

Stattdessen beruft man sich auf die Lehren aus Auschwitz, für die Deutschen, und so empfiehlt der Big Brother Psychologe bei „leichtfertigen Äußerungen über die NS-Zeit zur Not auch mal zu gehen“ oder „den Mund auf zu machen“, schließlich geht es doch um eine „friedvollere Zukunft“.
Bleibt noch zu ergänzen, das die Sendung wenig Interesse in der Zielgruppe der 14- 49 Jährigen fand und die Einschaltquote gegenüber den Vorwochen um ca. 2% nach unten ging.

2008-03-21

From Dresden to Bagdad

Ein herzliches „Thank You!“ richtet folgendes Video an die SoldatInnen der US Army, dem sich voll und ganz anzuschließen ist, immerhin widmet sich die deutsche Medienlandschaft, anlässlich des fünften Jahrestages der Irak Intervention ganz der pazifistischen und antiamerikanischen Propaganda.



Fünf Jahre nach Beginn der Operation Iraqi Freedom, in deren Folge das baathistische Regime und dessen Führungsclique um Saddam Hussein gestürzt wurde, ist man sich in den deutschen Redaktionsstuben einig. Der Spiegel nennt sein Feature hierzu z.B. „Das Irak Fiasko“.
Die, sprachlich wie auch inhaltlich ganz nah am Bauchgefühl der deutschen Friedensvolksgemeinschaft befindliche, „Junge Welt“ hält unter der Überschrift: „Krieg bis zum Sieg“, fest das es den Irakis unter Saddam Hussein doch eigentlich ganz gut ging, jedenfalls „besser“ als heute.

Unisono wird George W. Bush der Lüge und des Größenwahns geziehen, während man lieber hämisch über die Rückschläge nach dem Sturz Husseins oder über angebliche Repressalien gegen die „tausenden Friedensaktivisten“ in den USA schreibt.

Jedenfalls wiederholen sich die Phrasen die man seit fünf Jahren tag ein, tag aus auswendig gelernt hat. Die us-amerikanische Intervention war auf freche „Lügen“ aufgebaut, um den Weg für die „Öl-Multis“ freizumachen, die auch noch in kolonialistischer Weise der islamischen Welt eine ihr fremde Kultur aufzwingen wollen.

Umso mehr dient die Häme gegen die aktuelle Lage im Irak und über Bushs „Illusionen“ der Kompensation der Trauer darüber das es Saddam letztlich doch erwischt hat, wie weiland die Deutschen im Bombenhagel von Dresden. Darüber hinaus bedauert man das der Einmarsch in Bagdad nicht im Blutbad für die US Army endete, welches der „irakische Widerstand“ islamischer Terrorbanden erst in den Jahren danach hundertfach anrichtete, um den Aufbau einer neuen Gesellschaft zu torpedieren.

Daran ergötzt man sich in Deutschland von NPD bis Linkspartei, von der Jungen Freiheit bis zur Jungen Welt immer noch all zu gern, ist doch jede Selbstmordbombe auf Bagdads Strassen der Beweis für die „unrechtmäßige Besatzung“ und die „Unrechtmäßigkeit“ des Krieges.
Immerhin nimmt man für sich in Anspruch ebenfalls unter dem „Bombenterror“ der USA gelitten zu haben und deswegen gegen jegliche militärische Intervention, auch gegen die schlimmsten Diktatoren wie Hussein einer war, Stellung zu beziehen.

Wie sehr sich die deutsche Erfahrung der Niederlage der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft im Bewusstsein niedergeschlagen hat zeigt sich besonders am bedeutendsten Symbol des deutschen Pazifismus, nämlich Dresden. Wenn Mitleid mit der Bevölkerung Bagdads erklärt wird, meint man Dresden und sich selbst. Wenn wider jede Vernunft den Amerikanern unterstellt wird, sie würden Kabul vernichten, Bagdad niederbrennen, Völkermord anrichten, dann redet man von deutschen Bombennächten.
So formulierte etwa Volker Braun in seiner Festrede zum 800-jährigen Stadtjubiläum unter der sinnigen Überschrift „Die dresdner Denkart“:

"Im Frühjahr 2003 flogen die US-Bomber direkt über Dresden, man sah (es war traumhaft schönes Wetter) die Kondensstreifen in Formation am Himmel und wußte, auch wenn kein Geräusch zu hören war, auch kein Geräusch in den Medien: in fünf oder sechs Stunden, in der Nacht, werden sie über Bagdad sein – wenig entfernt, nicht weit von Dresden, nein, von Dresden nicht weit fallen die Bomben auf Bagdad."
In diesem Sinne führen alljährlich die rechten Friedensfreunde bei ihren Aufmärschen zum 13. Februar zahlreiche Transparente mit die, die Linie von Dresden nach Bagdad ziehen. Das hat ebenfalls die Stadt Dresden im Jahr 2005 geschafft, in dem sie Dresden 1945 mit Bagdad in eine Reihe stellte. Gemäß dem deutschen Gemüt sind es die gleichen skrupellosen Urheber der Bombardierung Bagdads wie die, die Zerstörung des nationalsozialistischen Dresdens zu verantworten haben.

Darum spricht man in Deutschland auch nur all zu ungern über die tatsächlichen Erfolge im Nachkriegsirak, denn nichts mehr wünscht man sich in als das die USA den Krieg verlieren mögen. Immerhin würde dies als gerechte Strafe für die Niederschlagung des Nationalsozialismus bewertet werden.

Special Link: President Bush Discusses Global War on Terror

2008-03-05

Dessau war Täterstadt

Der Export und die Dezentralisierung des Gedenkens an die deutschen "Opfer" der alliierten Bombenangriffe hat mittlerweile doch ein recht beachtliches Ausmaß erreicht, wie nicht nur die
zahlreichen Nazi - "Mahnwachen" rund um den 13. Februar zeigten.
Als nächstes ist die Stadt Dessau Ort der Auseinandersetzung.



Hierzu ruft die AG Operation Taschentuch zur Partydemo am 8. März auf und bemerkt, unter anderem sehr richtig folgendes:

Nach dem Aufpolieren des Images im Zuge der Fußball-WM ist man stinksauer, sich durch die Schmuddelkinder von Rechts die ureigenste deutsche Gedenk-Leit-Kultur versauen zu lassen. Da hat die Bürgergesellschaft es in Jahrzehnten fleißiger Wühlarbeit geschafft, die eigenen Mythen und Verdrängungsneurosen bei der Bewältigung des „dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte“ endlich in eine mehrheits- und anschlussfähige Form zu bringen, und dann so etwas. Wie lange hat man dafür gestritten und sich von den einstigen Siegermächten Watschen abgeholt, um endlich die „Opfer des Bombenkrieges“ betrauern und die „Schuld der Vertreibung“ lauthals anprangern zu dürfen?

Nazis hin oder her - trotz ein paar krakelender Rechtsextremisten hält man unbeirrt an dieser entwickelten Gedenkkultur fest. Das Konstrukt des deutschen Opfermythos wird weiterhin gepflegt. Unter dem Motto: „Nie wieder!“ werden auf den diversen Gedenkevents natürlich auch die Opfer des nationalsozialistischen Terrors erwähnt, ohne jedoch jene unter der deutschen Zivilbevölkerung zu vergessen. Nicht nur zum Volkstrauertag werden in Dresden, Dessau oder Klein Wülknitz zunächst Kränze am Ehrenmal für die sowjetischen Soldaten abgelegt und anschließend auf dem selben Friedhof der gefallenen Frontsoldaten und Kriegshelden zu gedenken. Mit unterschiedlicher Intention wird die Shoa aus geschichtsrevisionistischen Motiven thematisiert, sofern sich die Erwähnung deutscher Verbrechen als politisch nützlich erweist. Alles war im Krieg irgendwie schlimm, die historisch definierten Kategorien Opfer und Täter haben sich aufgelöst und fertig ist sie: die deutsche Kollektividentität ohne braune Flecke auf der Weste. Dieser vermeintliche Zuwachs an moralischer Kompetenz hilft dabei ungemein, die Erinnerung an die deutschen Opfer legitim erscheinen zu lassen. Denn die Protagonisten der neuen Gedenk-Leit-Kultur durften ihre Volksgenossen 63 Jahre lang nicht öffentlich betrauern.

Diese pathologische Wahrnehmungsstörung lässt dabei völlig außer Acht, dass in der westdeutschen Gesellschaft bis in die 1970er Jahre hinein eine Auseinandersetzung mit dem Holocaust unzureichend stattfand und vielmehr breitenwirksam die eigenen Opfer im Vordergrund standen. Und auch in der DDR wurden – verstärkt v.a. in den 1980er Jahren – die Bombardements der Alliierten, hier vor allem der Amerikaner und Briten, ohne eine ernsthafte Einordnung in den historischen Kontext, als „Bombenterror der Alliierten“ verunglimpft. Übrigens ein Syntax, den die NPD schon vor Jahren für sich übernommen hat.

Die in diesem Zusammenhang erfolgte Stilisierung der deutschen Opfer als „Unschuldige“, als „Opfer unter Opfern“, klammert einen wesentlichen Punkt aus: Die deutsche Bevölkerung war keinesfalls unschuldig an der Entwicklung dieser Ereignisse, an der Machtergreifung der Nazis, an den Verbrechen der Wehrmacht, am Holocaust. Alles geschah im Wissen und mit Zustimmung der großen Mehrheit der Deutschen.
weiterlesen via AG Operation Taschentuch

2008-03-01

Dresdner Selbstgespräch

Die Dresdner „Zivilgesellschaft“ postulierte im Rahmen des diesjährigen „13.Februars“ das „Lernen aus der Geschichte“ als Primat im Kampf gegen die Nazis und gegen das braune Image der Stadt.

All das ist nicht besonders neu, wie folgendes, historisches Filmdokument aus dem Sommer 1991 zeigt.
Zu sehen ist ein junger Nazi im Gespräch mit einer Dresdner Rentnerin.
Während er versucht eine Reichskriegsflagge zu befestigen und die Mahnwache für den soeben erschossenen, damaligen Nazikader Rainer Sonntag zu bewachen macht sie sich lautstark Luft und fordert von ihm die Blumen und den Nazikitsch zur Frauenkirche zu bringen.
Das Gespräch der beiden bringt dabei die „Tragik“ des 13. Februars in der heutigen Auseinandersetzung unfreiwillig komisch auf den Punkt. Während er dem toten „Kameraden“ gedenken will, fordert sie die Anerkennung der „Opfer“ der Bombardierung, weil „Dresden“ heute „gegen den Faschismus mahnt“, wie es die Dresdner „LINKE“ in diesem Jahr ebenfalls verkündete.

Mehr über die Naziszene in Dresden zu Beginn der 1990er Jahre gibt’s beim grossartigen starblog.


2008-02-27

Miserable Pressefreiheit

Ungefähr gleichzeitig zur Verkündung des „Grundrechtes für Computer“, wie es der Spiegel lakonisch nennt, durch das Bundesverfassungsgericht fand heute im sudanesischen Khartum ein islamischer Massenaufmarsch gegen Dänemark statt.

Die Demonstranten skandierten auf dem „Marsch der Millionen“, wie ihn das sudanesische Regime inszenierte, „Nieder mit Dänemark“ und „Wir werden unseren Propheten beschützen“. Diese Demonstration sekundierte die angedrohte Ausweisung dänischer DiplomatInnen und MitarbeiterInnen von Hilfsorganisationen, die vor allem im Dafur aktiv sind. Darüber hinaus verhängte das Regime ein Importverbot für sämtliche dänische Waren.

Anlass ist der erneute Abdruck einer Karikatur des dänischen Cartoonisten Kurt Weestergaard, nach dem dieser mit dem Tode bedroht wurde, weil er den „Propheten“ mit einem Bombenturban gezeichnet hatte. In Dänemark hatte es deswegen eine Welle von Brandstiftungen migrantischer Jugendlicher gegeben.
Kurt Weestergaard wurde indes von dem, ihn für einige Zeit beherbergenden Hotel als „Sicherheitsrisiko“ eingestuft und auf die Strasse gesetzt.



Bereits nach dem erstmaligen Abdruck, vor über einem Jahr gab es nicht nur im Sudan inszenierte und vor allem wüste Proteste gegen dänische und andere westliche Einrichtungen, sowie „den Westen“ insgesamt.

Für ein wenig Wirbel sorgte nunmehr Innenminister Schäuble, über dessen angebliche Niederlage beim Lauschangriff auf die deutschen Volk-PC`s sich die, im „Überwachungswahn“ befindliche Linke freut.

Wolfgang Schäuble hatte in Bezug auf den Abdruck der Zeichnung Weestergaards in Dänemark und in einigen deutschen Zeitungen, sowie dem folgenden Verkaufsverbot der Tageszeitungen „Die Welt“ und der „FAZ“ in Ägypten, der „Zeit“ folgendes zu Protokoll gegeben:

„Eigentlich müssten jetzt alle europäischen Zeitungen diese Karikaturen abdrucken, und zwar mit der Erklärung: Wir finden sie auch miserabel, aber die Inanspruchnahme von Pressefreiheit ist kein Grund, Gewalt zu üben. Hier gelte das Motto: „Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren.“
Dies widerrum wurde, streng islamisch natürlich gerügt. Der Generalsekretär der Organisation der Islamischen Konferenz, Ekmeleddin Ihsanoglu, kritisierte daraufhin in einem Al-Dschasira-Interview die Haltung europäischer Regierungen.
Diese hätten, so ist zu lesen: „Die Ratschläge der OIC für eine Beendigung der Kontroverse um die Karikaturen nicht befolgt“.

Die Bundestagsabgeordnete der Linken, Petra Pau, verkündete ebenfalls Ratschläge an Schäuble und unterstellte ihm dabei es nicht ganz ehrlich zu meinen mit der Pressefreiheit.
Natürlich kommt sie dabei nicht umhin ganz offen ihre Ablehnung der Mohammed Karikaturen zu verbreiten:

„Wer, wie Bundesinnenminister Schäuble, Kommunikationsdaten von Journalisten speichern will und Redaktionen ausspähen lässt, ist als Anwalt der Pressefreiheit disqualifiziert.
Zudem ist es höchst fraglich, warum ausgerechnet der Massendruck miserabler Mohammed-Karikaturen ein Hochlicht der westlichen Kultur sein soll?“
Doch nun ruderte Schäuble und das Innenministerium zurück. Ein Sprecher des Ministeriums übte scharfe Kritik an der Vorabmeldung der „Zeit“ und nannte sie „verantwortungslos“. Das Ministerium sagt nun das Schäuble nicht zu einem Abdruck der Mohammed-Karikaturen in allen europäischen Zeitungen aufgerufen habe. Vielmehr habe er sich für den Grundsatz der Pressefreiheit ausgesprochen.



Sowohl Wolfgang Schäuble, wie auch Petra Pau sind sich darüber einig das ein paar harmlose Cartoons über eine alberne Prophetenfigur als miserabel zu gelten zu haben.
Die von Broder postulierte „Lust am Einknicken“ liest sich dann in diesem Fall etwa so:
„Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg betonte, dass Redaktionen, Zeitungen und Verlage bei der Inanspruchnahme der Pressefreiheit auch kulturelle Empfindungen und Empfindsamkeiten berücksichtigen müssten. Zur Abwägung gehöre der Respekt vor Andersdenkenden und Andersgläubigen.“
Natürlich ist etwa den sudanesischen Einpeitschern die Pressefreiheit kein Pfifferling wert, sind doch die wesentlichen Informationsmöglichkeiten darauf beschränkt sich die Predigten des örtlichen Imams anzuhören.

In Deutschland und Westeuropa aber funktioniert das ganze jedoch anders. Natürlich dürfen alle alles sagen und schreiben, auch ohne zu befürchten irgendwo in den Informationsschleppnetzen des Geheimdienstes hängen zu bleiben und gar Gefahr zu laufen Hände oder Zunge abgeschnitten zu bekommen.

Stattdessen wird die (ideologische) Maßregelung von Leuten wie Petra Pau, Regierungssprechern oder dem Kommentarmob auf indymedia übernommen, die dafür sorgen das auch ja die „kulturellen Empfindsamkeiten“ derer nicht zu kurz kommen, die nur allzu gern an Menschen wie Kurt Weestergaard die Sharia Recht sprechen lassen würden.